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03.03.2005

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Besuch des russlanddeutschen Museums in Detmold

von Dietrich Tissen

Am 5. Juni 2004 besuchten wir ( ich, Nikolaj und sein Freund Viktor Bergmann) das Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold. Ich fuhr von Warendorf mit dem Zug, während Nikolaj und sein Freund mit dem Auto nach Detmold kamen. Wir trafen uns dann in Detmold am Bahnhof. Von dort fuhren wir gemeinsam zum Museum. Die Adresse hatten wir vorher auf der Webseite des Museums erfahren. Das Museum ist in einem Gebäude auf dem Gelände der Freien Evangelischen Schule untergebracht. Wir wussten aber nicht in welchem Gebäude genau. So haben wir erst das ganze riesige Gelände der Schule abgesucht, bevor wir auf die Idee kamen, jemanden zu fragen. Nach einem freundlichen Hinweis sind wir schließlich zum Museum gelangt. Leider hatten wir Dr. Katharina Neufeld, die Leiterin des Museums, verpasst, da sie zu dieser Zeit auf einer Tagung in der Ukraine war. Sie wurde von einer anderen Frau vertreten. Wir konnten uns aber trotzdem im Museum umsehen.

Der Raum, in dem sich das Museum befindet, ist relativ klein - nur etwa 100 qm groß. Er ist in 2 Hälften aufgeteilt. In der rechten Hälfte befinden sich verschiedene Tafeln, Bilder, Karten und Plastiken zur Geschichte der Russlanddeutschen. Es gib mehrere Plastiken von Jakob Wedel die das Leben und den Leidensweg der Russlandeutschen darstellen. Interessant fand ich die Tafeln über die Familie von George K. Epp, von dem ich schon ein Buch über Mennoniten gelesen und das ich hier auf der Webseite vorgestellt habe. Sein Bruder Peter Epp wurde nach dem Krieg von den Sowjets verhaftet und musste 10 Jahre in einem Arbeitslager in Solikamsk verbringen. Damit war er von George getrennt. Viele Exponate haben Bezug zu Neu Samara, so gibt es Zeichnungen, die von ehemaligen Neu-Samarern erstellt sind und eine Tafel über einen Prediger aus Dolinsk. Allgemein gibt es viele Ausstellungsstücke über Mennoniten und Baptisten, ich würde sagen etwa die Hälfte. Wobei natürlich die mennonitische Geschichte im Rahmen der gesamten russlanddeutschen Geschichte dargestellt wird. Einen großen Teil der Ausstellung nimmt der Leidensweg der Russlanddeutschen während der sowjetischen Herrschaft ein: die Trudarmee- und die Kriegszeit, die religiösen Verfolgungen.

Die linke Hälfte ist wiederum aufgeteilt. Im vorderen Teil sind Stellagen mit Büchern und der Arbeitsraum von Dr. Neufeld. Soweit wir es feststellen konnten gibt es dort nahezu alle Bücher die zur russlanddeutschen Geschichte publiziert wurden. Daneben gibt es noch russische Lexika wie z.B. die "Große Sowjetische Enzyklopädie" und russische Belletristik. Alle Bücher werden in ein Katalog eingetragen, das konnten wir feststehlen, als wir gefragt haben ob das Neu Samara Buch vorhanden ist. Im hinteren Teil kann man dann Gegenstände der Alltagskultur der Russlanddeutschen betrachten: Werkzeug, Modell von einem mennonitischen Hof in Kirgisien, eine Krögeruhr von 1887, Modell von einem Ofen, Geschirr, einen Eimer mit einer Schöpfkelle ("Schapptje") usw.


Das Gebäude in dem sich das Museum befindet


Einige Bilder und Tafeln


Die Krögeruhr von ca. 1887 aus Rosental, Chortitza


Die Bücherregale

Später haben wir dann erfahren, dass Frau Neufeld auch aus Dolinsk stammt und in ihrer Kindheit unsere Väter gekannt hat. Nachdem wir Kontakt aufgenommen haben, hat uns Frau Neufeld den Besuch der Wanderausstellung auf einem Museumshof in Rahden vorgeschlagen. Da in dem russlanddeutschem Museum wenig Platz vorhanden ist, befinden sich viele Exponate außerhalb des Museums, unter anderem auch auf dieser Wanderausstellung.

So fuhren wir 2 Wochen später, am 19. Juni nach Rahden. Die Wanderausstellung selbst nimmt nur einen kleinen Platz ein. Es war aber trotzdem interessant über das Leben der Bauern in der Rahdener Umgebung zu erfahren. So gibt es ein vollständig eingerichtetes Bauernhaus mit allem was dazu gehört. Mein Cousin Nikolaj war dabei etwas in Vorteil, da er einige Geräte noch aus seiner Kindheit in Dolinsk kannte. Es gab auch einen Brotofen, so einen ähnlichen wie der den unsere Großeltern in Dolinsk hatten. Frau Neufeld war besonders von den Türklinken fasziniert, die es auch in Dolinsk gab. Ich kann den Besuch des Museumshofs empfehlen, wenn man in der Nähe wohnt. Ähnliche Museen gibt es aber wahrscheinlich auch an anderen Orten.

Nach einem Mittagessen mit Borscht und Rollkuchen (Frau Neufeld hat den Verkauf mit ihren 3 Helferinnen organisiert) konnten wir dann an einer Führung durch die Wanderausstellung teilnehmen. Außer uns gab es nur Leute die in Deutschland geboren und vermutlich nicht mit der russlanddeutschen Geschichte vertraut sind. Frau Dr. Neufeld gab dann eine kurze Einführung in die Geschichte der Deutschen in Russland. Danach berichtete sie über die Mennoniten in Russland am Beispiel der Siedlung Molotschna, die in diesem Jahr ihr 200-jähriges Jubiläum feierte. Es gab mehrere alte und neue Photos von Molotschna. Interessant fanden wir die von Peter Wiens erstellte Karte von heutigem Molotschna. Als Frau Neufeld am Beispiel von 2 ausgestellten Kleidern über die Kleidung der mennonitschen Frauen erzählte, entspann sich eine rege Diskussion zwischen ihr und den Besuchern. Besonderes Interesse zeigten die Besucher an der Kopfbedeckung.

Nachdem die Führung beendet war und die anderen Besucher gegangen waren, konnten wir mit Frau Neufeld sprechen. Das Gesprächsthema war hauptsächlich das Mennonitentum. Sie konnte uns auch von ihrer Arbeit als Museumsleiterin berichten.


Das Bauernhaus in Rahden wo die Ausstellung untergebracht ist


Der Vortrag von Dr. Katharina Neufeld


Mennonitische Kleidung

Das russlanddeutsche Museum hat eine eigene Webseite, dort kann man die genaue Adresse erfahren. Vor der Fahrt ist es wohl besser sich zu erkundigen, ob Frau Neufeld da ist. Von ihr wird für jeden Besucher eine Führung angeboten, die sehr zu empfehlen ist.